27.09.2025 – September Reset, der Herbst-Neustart

Praxis für Psychotherapie in Nürnberg | Natalie Maiwald | Aufstellungen

Herbstzeit – eine natürliche Antwort auf eine erschöpfende Zeit

Im Herbst geht das Wachstum in der Natur in eine Phase der Reife und Ernte über, Pflanzen ziehen ihre Säfte zurück, die Blätter fallen ab und viele Tiere bereiten ihren Winterschlaf vor. Die Tage werden kürzer und dunkler, was sich auf unseren Hormonhaushalt (z. B. die Melatonin- und Serotoninbildung) auswirkt und unsere Stimmung dämpft und verändert. Wir brauchen mehr Wärme und Energiezufuhr, Entschleunigung, Rückzug und mehr Schlaf.

Der Herbst kennzeichnet auch einen Übergang vom äußeren, aktiven Sommer in den inneren, ruhenden Winter – eine Zeit des Verfalls, der Wandlung, der Vergänglichkeit und der Rückbesinnung. Das Leben verlagert sich nach innen.

Aktueller Zeitgeist – wir sind nicht mehr mit uns und unserer Umwelt verbunden

Unsere heutigen Lebens- und Alltagsrhythmen sind nicht mehr durch natürliche Zyklen oder saisonale Gegebenheiten geprägt. Arbeit, Kommunikation, soziale Verpflichtungen und digitale Reize verlaufen weitgehend entkoppelt von Licht, Tageszeit und Jahreslauf.

Verdichtung, multi tasking, 24/7, Reizüberflutung, mentaler load, digitale Entfremdung, sozialer Vergleichsstress, Selbstoptimierungswahn… all das pusht uns zu einer erschöpften Hochleistungs-Gesellschaft.

  • Wie geht es Ihnen in diesem Herbst und wo stehen Sie im Jahresverlauf?
  • Wie steht es um Ihre innere Ordnung und Ausrichtung?
  • Welche Verpflichtungen bestimmen Ihr Leben?
  • Welche Kompromisse kosten Sie (zu) viel Kraft?

Der Herbst als Zeit der Wandlung bietet eine gute Gelegenheit, sich diesen Fragen zu widmen.
Statt unsicheren, äußeren Rhythmen in einer ver-rückten, ambivalenten, unberechenbaren Welt zu folgen, sollten wir wieder unsere eigenen inneren Leitplanken und Leuchttürme definieren: 

  • Stärke ich das, was mir echten Halt gibt?
  • Übernehme ich Verantwortung für das, was mir wichtig ist?
  • Begegne ich einem fordernden Alltag angemessen?
  • Wo findet noch Spaß, Flow und Leichtigkeit in meinem Leben statt?

Lassen Sie sich Zeit mit Ihrer Antwort.
Aus den alten Gewohnheit antworten wir oft schnell auf unsere eigenen und äußere Anforderungen. Routinen sind eigentlich hilfreich, um unser Leben zu vereinfachen. Allerdings entwickeln sich aus unseren (Denk-)Gewohnheiten langfristig oft eigene Dynamiken. Viele unserer unbewussten Routinen würden unseren inneren TÜV nach Jahren nicht mehr bestehen. Diese Routinen ziehen unsere Energie wie eine unerkannte Hintergrund-App. Wir folgenden den falschen Algorithmen und es hakt im eigenen System.

Neustart im Herbst

Ab und zu sollten wir die eigenen Not-wendigkeiten auf den Prüfstand stellen. Behalten wir Gutes bei. Und entwickeln zusätzlich neue eigene Maßstäbe, die zu uns passen. Denn wir sind unseren Gedanken und Impulsen nicht ausgeliefert.

 Viktor Frankl, österreichischer Neurologe, Psychiater, Holocaust-Überlebender und der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, ermutigt uns mit seinem Zitat:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Lassen Sie sich Zeit mit Ihren Antworten. Damit Sie nicht Ihrer ersten, schnellen Antwort folgen. Wer könnte uns besser verstehen, als wir selbst? Hören wir wieder mehr die eigene innere Stimme unter dem Alltagslärm. Folgen wir unserem tieferen, impliziten Wissen. Das kann die Ausrichtung in unserem Leben maßgeblich verändern.

1) Veränderung beginnt mit unserer bewussten Entscheidung
In vielen Fällen ist „zu viel“ kein Ausnahmezustand, sondern Dauerzustand. Erschöpfung ist ein Accessoire der modernen Leistungsgesellschaft. Wir leben damit so selbstverständlich, dass wir unseren chronischen Stress kaum noch als solchen erkennen. Unsere inneren Antreiber verstärken unser Tempo im Hamsterrad noch:

  • „Ich muss …“
  • „Pause ist nicht möglich.“
  • „Wenn ich es nicht mache, macht es niemand.“

Solche und ähnliche Gedanken führen zu chronischer Anspannung – mental, emotional und körperlich. Dauernd kämpfen wir alleine in den Brennpunkten und Spannungsfeldern unseres Lebens.

  • Handlungsimpuls: Unterbrechungen und Reizreduktion einbauen
    2–3 Minuten bewusste Pausen und Ruhephasen – täglich mehrfach wiederholt – entlasten das Nervensystem. Ebenso kurze Feierabend-Spaziergänge. Ein Digital-Detox-Wochenende oder Digital-Detox-Nachmittag schafft Abstand zum Alltag.

Die innere Erlaubnis etwas zu ändern ist eine bewusste Entscheidung. Wir werden geschulter und aufmerksamer für die eigenen Überzeugungen, unsere stressassoziierte Sprache und unsere eingetrübten Gewohnheiten. Das kann der erste Schritt in eine neue Ausrichtung sein.

2) Regeneration ist keine Schwäche
Wir gönnen uns Pausen oft erst, wenn die Erschöpfung bereits spürbar ist. Dabei sind Pausen kein Zeichen von Schwäche – sondern ein biologisches Prinzip. Der menschliche Organismus ist nicht für Dauerleistung ausgelegt.

  • Handlungsimpulse: Atem- und Entspannungsübungen
    4–6 Atemzüge pro Minute senken den Sympathikustonus und fördern Regeneration. Finden Sie Ihre Lieblingsentspannung z. B. mit Meditation, Progressiver Muskelentspannung oder Yoga.
  • Tagesabschlüsse bewusst gestalten
    Lichter dimmen, abendliche Dankbarkeits-Rituale, Tagebuch schreiben oder das Ausschalten des Handys nach 20 Uhr.

Die effektivste Form von Resilienz beginnt nicht im Ausnahmezustand oder in der Erschöpfungsdepression– sondern mit alltagstauglichen Mini-Pausen. Hören wir mehr auf unseren Körper. Er ist ein guter Hinweisgeber und guter Freund. 

3) Dauerhaft gegen unsere Natur leben…
…heißt, dass wir längere Zeit gegen unsere biologischen und psychischen Grundbedürfnisse arbeiten. Ohne Pause, ohne Regeneration, ohne emotionale Klärung. Mittelfristig entwickeln wir körperliche, emotionale und mentale Symptome.

  • Handlungsimpulse: Körperliche Signale ernst nehmen
    Ständige Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Überlastung, Schmerzen oder sozialer Rückzug sind ernste Warnzeichen. Handeln Sie unmittelbar.

Langfristig drohen uns sonst Burnout, psychosomatische Erkrankungen, Angststörungen oder Depressionen.

4) Mentale und emotionale Selbstpflege, damit wir es wieder leichter mit uns haben
Wir befinden uns in einem Zustand ständiger kognitiver Überaktivität. Unsere Gedanken „arbeiten weiter“ auch wenn der Tag längst vorbei ist und diese Gehirnleistungen kosten uns viel Energie.

  • Handlungsimpulse: Beziehungen pflegen
    Verbringen Sie Zeit mit Menschen, die Ihnen gut tun. Planen Sie feste Termine für gemeinsame Unternehmungen, Film- /Kinoabende oder gemeinsamen Sport.
  • Zeit zum Genießen: me-time, saisonal ernten, kochen, backen und genießen, warme Bäder, Massagen, Kerzenlicht und Düfte, verwöhnende Körperpflege. Herbstspaziergänge, Wandern, Waldbaden und Gartenarbeit – Natur wirkt nachweislich parasympathisch auf unser Nervensystem!

Psychohygiene ist die bewusste Pflege des mentalen und emotionalen Innenlebens. Wir stärken unsere Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Emotionsregulation – zwei zentrale Kompetenzen für seelische Gesundheit. Wir schaffen Raum für Reflexion, innere Ordnung und psychische Stabilität. Und wer sich regelmäßig um sein seelisches Gleichgewicht kümmert, ist langfristig widerstandsfähiger gegenüber Belastungen.

→ Gesund bleiben und gut leben ist nicht immer das Ergebnis einer großen Entscheidung – sondern das Ergebnis vieler kleiner, täglicher bewusster Entscheidungen und Schritte.

Der Herbst lädt uns ein, uns am Rhythmus der Natur zu orientieren – nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Während das Licht abnimmt, die Tage kürzer werden und sich die Welt nach innen wendet, signalisiert auch unser Körper ein Bedürfnis nach Rückzug und Reduktion. Der Herbst zeigt weniger Aktivität, weniger Außen, weniger Müssen – dafür mehr Zuhause, mehr Wärme, mehr „innen“, mehr Zeit für stille Transformation. Wenn wir uns vom Herbst inspirieren lassen, kann unser Leben in Phasen einfacher, natürlicher, ausgewogener und zugleich nährender werden.

Eine gute Zeit, um Ballast innerlich wie äußerlich abzuwerfen und uns zu fragen:
Was darf jetzt ruhen? Was braucht wirklich noch Energie? Was setzen Sie dafür um – nicht irgendwann, sondern jetzt in Ihrem Alltag? Vielleicht ist es

  • eine 3-Minuten-Atempause zwischen Ihren täglichen Terminen,
  • ein bewusstes „nein“ zu sozialen Verpflichtungen am Wochenende.

Eine Handlung, die Ihnen entspricht und Sie dabei unterstützt mit sich selbst in Kontakt zu bleiben, während die Welt sich um Sie herum weiterdreht. Ich wünsche Ihnen eine Herbstzeit, die nicht nur durch Pflichten, sondern auch durch Pausen und Ruhe geprägt ist. Eine Zeit in der das Tempo nicht immer gleich hoch sein muss. Wo Raum entsteht – für einen Moment der Klarheit, für Gelassenheit, für Genuss oder Zweisamkeit…

 

Möchten Sie Ihren individuellen Regenerations-Rhythmus besser verstehen und Ihre persönlichen Anforderungen gezielter ausbalancieren?